Bischof Stecher Gedächtnisverein

Bischof Stecher-Brunnen

Reinhold Stecher hat in Hochrum seinen Lebensabend verbracht – ein neuer Steinbrunnen vor der Privatklinik Hochrum/Sanatorium der Kreuzschwestern erinnert an den „Bischof der Herzen“, der selber ein Brunnenbauer gewesen ist. Die Einweihung mit Festakt und Lesung fand am Donnerstag, den 8. Oktober 2015 statt.

Der Brunnen

Einweihung Bischof Stecher-Brunnen

Im Eingangsbereich der Privatklinik Hochrum/Sanatorium der Kreuzschwestern steht seit Oktober 2015 ein Steinbrunnen, der an Bischof Reinhold Stecher erinnert, der hier seinen Lebensabend verbracht, als Priester und Seelsorger gewirkt und bleibende Spuren hinterlassen hat.
Der Brunnen erinnert aber auch an die Verpflichtung zur Solidarität mit den „Durstenden“ unserer Zeit, mit den Notleidenden, Benachteiligten und Gescheiterten, den alten und kranken Menschen. Bischof Stecher hat ja selber über die Benefizaktion „Wasser zum Leben“ dazu beigetragen, dass Brunnen gebaut werden können, dass brachliegendes Ackerland bewässert und fruchtbar gemacht werden kann.
Und der Steinbrunnen vor der Privatklinik Hochrum erinnert daran, dass wir das Erlebnis „Fels“ in unserem Leben brauchen, den „Fels gültiger Wahrheit, der nicht zerbröselt und nicht zerbricht“ wie Bischof Stecher in seinem wohl bekanntesten Buch „Botschaft der Berge“ schreibt. Wir brauchen etwas, woran wir uns festhalten können, gerade auch in Zeiten der Krankheit.
Das Stück Fels für den Stecher-Brunnen stammt aus dem Gebiet des Großvenediger (Osttirol), in dem der ehemalige Bischof der Diözese Innsbruck (1981-1997) wiederholt Bergtouren unternommen hat. Behauen hat den Serpentin, der als besonders hart, wetterbeständig, farbecht und daher sehr wertvoll gilt, Steinmetz Raimund Gröfler aus Prägraten, künstlerisch gestaltet hat ihn Lois Fasching, Bildhauer aus Dölsach. Er lässt das Wasser fließen, vorbei an einem Bronzerelief (gegossen von Walter Rom aus Kundl), das den ihm Gras liegenden Bischof mit jener Geis zeigt, die ihm bei einem Ausflug auf die Alm die gerade fertiggestellten Predigten aufgefressen hat. Diese Anekdote hat Reinhold Stecher immer wieder schmunzelnd erzählt. Er hat sein Leben gelebt – mit Humor und im Vertrauen auf einen Gott, der mit seiner grenzenlosen Liebe alles und alle umfängt. Auch daran soll der neue Stecher-Brunnen vor der Privatklinik Hochrum erinnern.

Zum Fressen gern

Zum Fressen gern - Karikatur von Reinhold Stecher

„Der in den Himmeln wohnt, lacht ...“, so steht es im Psalm (2, 4). Es ist wohl nicht das dröhnende Gelächter des Überlegenen, sondern das leise Lächeln einer Liebe, die aus der Unendlichkeit kommt ...

Und damit komme ich zu jener Geiß, die an einem wunderschönen Sommernachmittag auf 2500 Meter Höhe sich in höchst destruktiver Weise in den geordneten Ablauf des bischöflichen Lehramtes und der kirchlichen Verkündigung eingeschaltet hat.
Es war eine Stunde vollkommener Harmonie. Ich liege auf meinem Lieblingsplatz hundert Meter über der Schutzhütte. Eben habe ich nach wochenlangem Mühen die letzte von neun Ansprachen vollendet, die für ein anspruchsvolles Publikum gedacht sind und deshalb wie eine Zentnerlast auf den hundert Verpflichtungen des ausgehenden Arbeitsjahres vor den Ferien gelegen sind. Und jetzt ist es geschafft. Das letzte „Amen“ setze ich mit einem beinahe barock-beschwingten Schriftzug hin, lege den Stoß mit den neun Manuskripten hinter mich, dazu ein kleines Italienischbuch, in dem ich auch noch zu studieren gedenke, strecke mich aus, schaue in die ziehenden Sommerwolken, höre das Rauschen der Gletscherbäche rechts und links unter mir, lasse mich von der seltenen Erfahrung eines völlig programmlosen Daseins einlullen und entschlummere sanft ...
Plötzlich werde ich wach. In den traumlos-glücklichen Schlaf ist ein Rascheln gedrungen! Ich richte mich jäh auf und erstarre: Hinter mir steht eine Geiß, aus ihrem Maul hängen gerade noch die letzten Fetzen meiner neun handschriftlichen Ansprachen. Die Hälfte des Italienischbüchleins hat sie als Vorspeise gefressen, beim Hauptgang ist sie dann offenkundig auf die Theologie übergewechselt.

Ich springe auf wie ein Wilder! Meine Predigten! Sieben Wochen Arbeit! Die Lesefrüchte und Zitate, die lange abgewogenen Formulierungen – alles dahin. Von Handgeschriebenem hat man keine Durchschläge! Hand aufs Herz – ich liebe Tiere. Aber vor den Zügen dieses boshaften Mistviehs erreicht diese Liebe ihre Grenzen. Die Geiß hat schon kapiert, dass das sprachwissenschaftlich-theologische Menü zu Ende ist. In weiten Sprüngen bringt sie sich im unwegsamen Gelände in Sicherheit und lässt mich in ohnmächtigem Zorn zurück…
Vielleicht könnte man sich mit dem Gedanken trösten, es sei doch erhebend zu wissen, dass irgendjemand unsere Predigt zum Fressen gern hat… Allerdings – ein Stachel bleibt. Ich versuche mein Hirtenamt im Land im Gebirge ernst zu nehmen. Aber von Geißen will ich nicht viel wissen, und sollte ich noch einmal auf einsamen Höhen zu schreiben beginnen, werde ich mich zuerst genau umschauen.

Aus: Reinhold Stecher, Heiter-besinnliches rund um den Krummstab, Tyrolia-Verlag

Zur Geschichte der Privatklinik Hochrum:

Einweihung Bischof Stecher-Brunnen

Der Orden der Barmherzigen Schwestern zum Heiligen Kreuz stellt sich ganz in den Dienst alter und kranker Menschen. Schon 1880 errichtet der Orden in der Innsbrucker Kaiserjägerstraße ein erstes Sanatorium in der Absicht, eine medizinische Grundversorgung für alle aufzubauen. „Was Bedürfnis der Zeit, ist Gottes Wille“ (P. Theodosius Florentini, Ordensgründer). In den 1980-er-Jahren übersiedelt das Sanatorium nach Hochrum, auch um der steigenden Nachfrage und den Entwicklungen in der Medizin gerecht werden zu können. Das Haus wird mehrfach aus- und umgebaut und auf den letzten Stand der medizinischen Technik gebracht. Heute präsentiert sich das in „Privatklinik Hochrum“ umbenannte Sanatorium als moderner Dienstleister im Gesundheitswesen – es bietet seinen Patienten eine ganzheitliche Betreuung und Pflege in einer modernen, angenehmen Atmosphäre. Trotz des medizinischen und technischen Fortschritts ist es gelungen, die über Jahrzehnte gelebte Philosophie der Nächstenliebe zu bewahren.